Variation - Für immer oder nie
Autorin: Rebecca Yarros
Übersetzung: Michelle Landau
Seiten: 376 Seiten
Format: Paperback
Verlag: dtv
Erscheinungsdatum: 25.07.2025
ISBN: 978-3423264259
Sprache: Deutsch
Genre: Romance / Contemporary Romance
Bewertung:
Bildquelle / Cover:
Goodreads / © dtv
/ © Coverdesign: dtv nach einem Entwurf von Caroline Teagle Johnson
Klappentext: © Rebecca Yarros / dtv
Worum geht's?
Allie Rousseau, eine Ballerina auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, will sich im Sommerhaus ihrer Familie in Cape Cod in Ruhe von einer Verletzung erholen. Doch eine Begegnung mit ihrem ehemaligen besten Freund weckt schmerzhafte Erinnerungen. Hudson Ellis, jetzt ein Eliterettungsschwimmer, hat sie als Jugendliche vor dem Ertrinken gerettet. Aber er hat sie auch nach dem Tod ihrer Schwester im Stich gelassen, als sie ihn am meisten brauchte. Als Hudsons Nichte sie um Hilfe bei der Suche nach ihrer leiblichen Mutter bittet, gerät Allie in eine unmögliche Situation. Während sie versucht, dem Mädchen zu helfen, spürt Allie eine vertraute Anziehung zu Hudson. Doch warum ist er all die Jahre zuvor gegangen? Und sind sie mutig genug, es noch einmal zu versuchen?
„Jede Emotion, die ich in einer kleinen, engen Stahlbox eingesperrt hielt, wenn es um Hudson ging, erwachte zu neuem Leben, erfüllte mich mit Unglauben und Sehnsucht und Wut ... so viel Wut.“
Meine Meinung
Weil ich die Empyrean-Reihe von Rebecca Yarros so gern lese, wollte ich auch ihre Contemporary‑Romance "Variation" ausprobieren. Die Geschichte klang nach Emotionen, Ballett, Familie und zweiten Chancen, aber für mich blieb das Buch am Ende eher mittelmäßig. Vor allem mit der Protagonistin Allie bin ich einfach nicht warm geworden. Sie lebt ständig für die Erwartungen ihrer toxischen Mutter, versucht in die Rolle der verstorbenen Schwester zu rutschen und nimmt dafür sogar eine schwere Verletzung in Kauf. Gleichzeitig darf ihre jüngere Schwester gefühlt alles, ohne Rücksicht auf Allies Gefühle. Dieses Ungleichgewicht zieht sich durch das ganze Buch und hat mich irgendwann nur noch genervt. Allie wirkt, als würde sie alles leben – außer ihr eigenes Leben – und lässt sich dabei von allen als Fußabtreter benutzen.
Hudson mochte ich etwas lieber, aber auch er steckt viel zurück, um seiner Schwester Caroline bei der Betreuung ihrer Tochter zu helfen. Er ist eigentlich Eliterettungsschwimmer und möchte an einem bestimmten Stützpunkt stationiert werden, verschiebt diese Pläne aber immer wieder, weil er Caroline nach dem Tod ihres Mannes nicht allein lassen will. Dadurch entsteht eine Art Abhängigkeit, in der Hudson feststeckt und aus der er kaum herauskommt. Caroline dankt ihm dieses Engagement allerdings nicht, sondern mischt sich stattdessen in seine Beziehung ein und verhält sich Allie gegenüber oft unnötig zickig, was das Drama zusätzlich anheizt. Und dann ist da noch Juniper, Carolines Tochter. Irgendwann dreht sich gefühlt alles nur noch um sie. Zwischen all den kindischen Plänen, ihr heimlich das Tanzen zu ermöglichen, obwohl ihre Mutter es verbietet, rutscht die eigentliche Romanze zwischen Allie und Hudson fast komplett in den Hintergrund. Die beiden sollen eine gemeinsame Vergangenheit als beste Freunde haben, die ineinander verliebt sind, aber davon liest man kaum etwas. Es gibt zwar Rückblenden, aber die waren mir persönlich nicht aussagekräftig genug, und ohne diese Basis konnte ich ihre Gefühle nicht wirklich nachvollziehen. Es lässt sich zwar damit argumentieren, dass Allie wegen des Unfalls mit ihrer Schwester Gedächtnislücken hat, aber für mich hätte man das emotional deutlich besser lösen können.
Generell hatte ich das Gefühl, dass niemand in diesem Buch offen miteinander redet. Missverständnisse entstehen nicht, weil die Situationen komplex wären, sondern weil alle ständig Dinge verschweigen. Das fand ich ermüdend und emotional wenig überzeugend, vor allem weil sich das Drama immer wiederholt. Besonders das Ende mit Allies Mutter fand ich enttäuschend – für alles, was passiert ist, wird dieser Teil der Geschichte viel zu einfach abgehandelt. Ich hätte mir gewünscht, dass die Beziehung der beiden wirklich aufgearbeitet wird, damit Allie diesen Teil ihres Lebens hinter sich lassen kann. Stattdessen wirkt es, als hätte ihre Mutter einen viel zu einfachen Abgang bekommen, ohne dass die emotionalen Folgen oder die jahrelangen Muster zwischen ihnen ernsthaft thematisiert werden. Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass die Charaktere sehr wenig Konsequenzen für ihr Handeln tragen müssen.
Was für mich dagegen gut funktioniert hat, war die Darstellung des Balletts: der Ehrgeiz, die eigenen Träume zu verfolgen, der Konkurrenzdruck, die Verletzungen und das harte Training. Auch der Titel Variation bekommt im Buch seine Bedeutung, denn damit sind die Ballettschritte in einer bestimmten Reihenfolge gemeint, die Allie tanzt. Dieser Teil fühlte sich authentisch an und hat mich letztlich weiterlesen lassen. Sehr erfrischend fand ich außerdem Hudsons restliche Familie. Sie ist das komplette Gegenteil von Allies Mutter – warmherzig, offen und unterstützend. Sie haben Allie sofort willkommen geheißen, und für sie war es eine völlig neue Erfahrung, dass Familie auch so aussehen kann.
Fazit
"Variation" hat für mich starke Momente, vor allem im Bereich Ballett und in den Szenen mit Hudsons Familie, die Allie endlich zeigt, wie sich echte Wärme und Unterstützung anfühlen können. Trotzdem konnten die Figuren, das unausgesprochene Drama und der Fokus auf Nebenbaustellen die Geschichte nicht tragen. Vieles blieb oberflächlich, wiederholte sich oder wurde zu schnell abgehandelt. Für mich bleibt es deshalb bei 3.5 Sternen – und ich greife künftig lieber wieder zu den Fantasy‑Büchern von Rebecca Yarros, die mich deutlich mehr erreichen.
Reicht euch in Romance‑Geschichten ein bisschen Drama, oder wollt ihr, dass Konflikte wirklich durchdacht und glaubwürdig aufgelöst werden?
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