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Samstag, 12. September 2026

[Rezension] Melinda Taub: Stolz, Vorurteil und Hexerei

Buchcover

Autorin: Melinda Taub

Übersetzung: Birgit Maria Pfaffinger

Seiten: 496 Seiten

Format: Hardcover

Verlag: Klett-Cotta

Erscheinungsdatum: 12.09.2026

ISBN: 978-3608966510

Sprache: Deutsch

Genre: Historical Fantasy / Retelling / Jane Austen Adaption

Bewertung: ⭐⭐⭐⭐⯪

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Bildquelle / Cover: Goodreads / © Klett-Cotta / © Coverdesign/Illustrationen: © Thea Magerand / Umschlaggestaltung: Birgit Gitschier, Augsburg
Klappentext: © Melinda Taub / Klett-Cotta



Worum geht's?

In dieser originellen Neuerzählung von Jane Austens Stolz und Vorurteil ergreift Lydia selbst die Feder, um die wahren Ereignisse und Folgen der klassischen Geschichte aus ihrer ganz persönlichen Sicht zu schildern. Alles scheint wie immer: Mrs. Bennet leidet unter ihren Nerven, Mr. Bennet leidet unter Mrs. Bennet, und alle fünf Töchter leiden unter einem Vermögen, das ausschließlich an männliche Erben übergehen darf. Doch Lydia treiben völlig andere Dinge um: Ihre liebste Schwester Kitty ist in Wahrheit eine Katze, Ihr Liebhaber Wickham ist tatsächlich so ruchlos, wie alle behaupten – was sollte man auch anderes erwarten von einem Dämon? –, und wer glaubt, Mr. Darcy sei beim Thema Tanzetikette ohne jeglichen Humor, der sollte erst einmal sehen, wie er auf Hexerei reagiert. Vor allem jedoch muss Lydia begreifen, dass Versprechen eine eigene Macht besitzen … besonders, wenn man eine Hexe ist.

„Die Leute ärgern sich immer über mich, weil ich Dinge tue, die sie sich selbst nicht trauen.“

Meine Meinung

Als absolut bekennender Fan von Jane Austen wird „Stolz und Vorurteil“ wohl für immer einen festen Platz unter meinen Lieblingsbüchern einnehmen. Gerade weil ich den Klassiker schon so oft gelesen habe, greife ich inzwischen immer wieder zu kreativen Neuinterpretationen, die mir ein vertrautes Gefühl geben und gleichzeitig ein wenig frischen Wind in die altbekannte Geschichte bringen.

Dieses Buch hat mir genau das geboten. Ich würde allerdings empfehlen, „Stolz und Vorurteil“ vorher gelesen zu haben, denn ohne das Hintergrundwissen kann die Handlung stellenweise etwas verwirrend wirken. Ich habe die Geschichte wirklich sehr genossen, auch wenn sie an manchen Stellen eine Spur zu sprunghaft geraten ist. Lydia Bennet übernimmt hier die Rolle der Erzählerin und bringt die erwartbare Energie mit: Sie springt munter zwischen Vergangenheit und Gegenwart, als würde sie beim Schreiben kaum stillsitzen können. Die Form eines langen Briefs verleiht dem Ganzen eine intime Note, sodass man fast das Gefühl hat, Lydia würde einem die Ereignisse persönlich bei einer gemütlichen Tasse Tee erzählen.

Dieser Stil passt gut zu ihrem exzentrischen Charakter, doch ich gebe zu, dass ich zwischendurch kurz den roten Faden verloren habe. Umso schöner ist es, dass sich gegen Ende plötzlich alles fügt und die zuvor losen Stränge ein stimmiges Gesamtbild ergeben.

Interessant fand ich, wie Lydia hier etwas mehr Profil bekommt. Sie bleibt impulsiv und lebhaft, aber die Autorin zeigt klarer, was hinter ihrem Verhalten steckt. Lydia denkt gelegentlich über frühere Entscheidungen nach und wirkt insgesamt etwas reflektierter, ohne dass ihr Charakter verfremdet wird. Diese Entwicklung bleibt angenehm subtil und fügt sich gut in die magische Handlung ein, die sie stärker in Verantwortung bringt.

Auch die übrigen Figuren sind durchweg gelungen dargestellt. Natürlich basieren sie auf den unvergesslichen Charakteren, die Jane Austen geschaffen hat, aber Melinda Taub gelingt es, ihnen eine eigene, frische Note zu verleihen. Wickham als Dämon, Kitty als verzauberte Katze, die Ehe von Mr. Collins und Charlotte Lucas als Ergebnis eines Liebeszaubers - diese Ideen klingen verrückt, funktionieren aber erstaunlich gut. Es macht großen Spaß, diese vertrauten Persönlichkeiten in einem magischen Licht zu betrachten.

Besonders gelungen ist die Verbindung aus historischen Fakten und britischer Mythologie. Bekannte Sagengestalten und historische Persönlichkeiten tauchen auf, aber nie als bloße Kopie. Die Autorin gibt ihnen einen eigenen Twist, der die Handlung bereichert und gleichzeitig respektvoll mit dem Ausgangsmaterial umgeht.

Fazit

Trotz kleinerer Verwirrungen bleibt die Geschichte humorvoll, warm und voller verspielter Ideen. Der magische Einschlag verleiht dem vertrauten Klassiker genau das gewisse Extra, nach dem ich gesucht habe. Für mich ist das Buch eine schöne Empfehlung für alle, die Jane Austens Werke lieben und zwischendurch gerne eine frische, fantasievolle Neuinterpretation des Stoffes lesen.

Welche Figur aus „Stolz und Vorurteil“ würdet ihr am liebsten einmal in einem völlig anderen Genre erleben - und warum gerade diese?

Mein Rating: ⭐⭐⭐⭐⯪ (4.5/5)

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