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Montag, 4. Mai 2026

Wordworld Montagsfrage #211

Den Beitrag von Sophia vom Blog Wordworld könnt ihr hier nachlesen.

 

Gibt es ein Buch, das Euch total überfordert hat – inhaltlich, emotional oder sprachlich – und wie seid Ihr damit umgegangen?

Pretty Girls – Leseeindruck

Ein Buch, das mich beim Lesen wirklich überfordert, begegnet mir nur selten. Doch eines, das mich 2017 eigentlich aus meinem damaligen Lesesumpf ziehen sollte, hat sich so tief in mir eingebrannt, dass ich es bis heute nicht vergessen habe. Statt mich aus dem Lesesumpf herauszuführen, hat es alles nur verschlimmert – und selbst neun Jahre später läuft mir noch eine Gänsehaut über den Rücken, wenn ich daran denke.

Pretty Girls Cover

Als ich Pretty Girls zu lesen angefangen habe, dachte ich noch, es wäre ein ganz normaler Karin-Slaughter-Thriller. Ich kannte schon einige Bücher von ihr, die mir gut gefallen hatten.

In Thrillern erwarte ich grundsätzlich eine etwas düstere Stimmung, denn es geht schließlich um Spannung, Nervenkitzel, Ungewissheit, Überraschungen und den Aufbau von Konflikten und Druck. Karin Slaughter beherrscht es gut, fesselnde Thriller mit diesen Merkmalen zu schreiben.

Als ich Pretty Girls gelesen habe, war ich aber doch schockiert von der Brutalität und expliziten Gewaltdarstellung im Buch. In ihren anderen Büchern gibt es auch die ein oder andere krasse Stelle, aber nie vorher wurde Folter als Unterhaltung so stark eingesetzt. Das und der Rest der Handlung haben mich wirklich verstört zurückgelassen.

In dem Buch geht es um Claire, deren Mann kurz zuvor bei einem brutalen Raubüberfall getötet wurde. In seinem Nachlass findet sie anschließend brutales Filmmaterial, bei dem Menschen vor laufender Kamera auf grausame Weise getötet werden. Was hat ihr verstorbener Mann damit zu tun? Sie begibt sich auf Spurensuche und kommt durch die Wahrheit an einen Abgrund...

Im weiteren Verlauf muss ich jetzt etwas spoilern, damit klar wird, was mich so unglaublich verstört hat. Wer den Spoiler nicht lesen möchte, weil das Buch noch auf dem SuB liegt, liest einfach danach weiter.

Wie gesagt beginnt Claire nach dem Tod ihres Mannes selbst zu ermitteln – und stößt dabei auf eine Wahrheit, die kaum zu fassen ist. Ihr Mann Paul hat über viele Jahre hinweg einen perfiden Plan verfolgt. Er hat Claires Schwester Lydia sexuell missbraucht und sich anschließend als Opfer dargestellt, um die Familie gegeneinander auszuspielen und Lydia zu isolieren.
Während Lydia ihre Tochter Dee allein großgezogen hat, hat Paul sie heimlich beobachtet und auf den richtigen Moment gewartet, um Dee zu entführen. Er war in einen kriminellen Porno-Ring eingebunden, der grausame Folter- und Snuff-Videos produzierte, und Dee sollte eines der nächsten Opfer werden. Um freie Hand für seine Tat zu haben, hat er sogar seinen eigenen Tod bei einem Überfall vorgetäuscht.
Im Verlauf der Handlung wird außerdem deutlich, dass Paul gemeinsam mit seinem Vater auch für den Tod von Julia, der Schwester von Claire und Lydia, verantwortlich ist.
Im Buch gibt es einen versteckten Folterraum, der für die grausamen Taten an den jungen Mädchen genutzt wird. Die Szenen, in denen die Mädchen gefoltert, vergewaltigt und getötet werden, sind sehr deutlich beschrieben und extrem belastend. In einer Szene wird dem Mädchen eine Machete in den Hals geschlagen und während sie im Todeskampf in Ketten zuckt, wird sie vergewaltigt.


Ich habe das Buch nie zu Ende gelesen. Beim Lesen wurde mir immer wieder regelrecht übel – und ich bin wirklich nicht besonders empfindlich, was Gewalt in Thrillern angeht. Für meinen Geschmack hat Karin Slaughter hier jedoch deutlich über die Stränge geschlagen. Die Darstellung der Gewalt ist extrem explizit und unnötig brutal, sodass für mich der Punkt erreicht war, an dem die Grenze zwischen Spannung und reiner Schockwirkung überschritten wurde.

Ich lese grundsätzlich nicht gern Geschichten, in denen Folter und sexualisierte Gewalt so detailliert kombiniert werden, schon gar nicht, wenn es als Unterhaltung gedacht ist. Deshalb habe ich das Buch letztlich abgebrochen.
Trotzdem lässt mich das Buch auch nach all den Jahren nicht los und ich muss immer mal wieder daran denken. Ich war damals einfach schockiert, da die Handlung eher in Richtung Horror-Thriller ging und die ganze Thematik mich emotional sehr mitgenommen hat. Vor allem Pauls Kalkül und sein kaltblütig durchdachter Plan haben mich wirklich verstört.
Seitdem habe ich ehrlich gesagt auch kein Karin-Slaughter-Buch mehr gelesen.

Ist euch auch schon ein Buch begegnet, das euch emotional an eure Grenzen gebracht und euch noch lange nach dem Lesen begleitet hat?

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