REM
Autoren: Annika Strauss, Sebastian Fitzek
Illustrationen: Jörn Stollmann
Seiten: 320 Seiten
Format: Taschenbuch
Verlag: Droemer Knaur
Erscheinungsdatum: 19.03.2026
ISBN: 978-3426570760
Sprache: Deutsch
Genre: Horror / Thriller
Bewertung:
Bildquelle / Cover: Goodreads / © Droemer Knaur / © Coverdesign: Jörn Stollmann, Raschke Entertainment, mit Carola Bambach, Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH, unter Verwendung von Motiven von Jörn Stollmann, Adobe Firefly und Shutterstock.com Klappentext: © Annika Strauss, Sebastian Fitzek / Droemer Knaur
Worum geht's?
»Du darfst nicht einschlafen!« Alysee ist vier Jahre alt, als ihr Vater sie panisch anfleht, um Himmels willen wach zu bleiben. Doch dem Mädchen fallen die Augen zu. Als sie wieder aufwacht, ist ihr Vater tot. Bestialisch ermordet. Das ist Alysees letzte und einzige Erinnerung an ihn. Ihre Mutter, die ebenfalls vor Jahren starb, hat sie nie kennengelernt. Als Vollwaise wächst Alysee mit ihrem besten Freund Nico bei einer Pflegefamilie auf; die Angst vor dem Einschlafen verlässt sie nie. Jahre später erfährt sie, dass ihr Vater ihr etwas vererbt hat, was das Geheimnis seines Todes lüften könnte. Sie tritt das Erbe an und lernt schnell, dass das grauenhafte Sterben erst seinen Anfang genommen hat ...
„Der Anblick des alten Hotels war für sie eine nahezu übernatürliche Erfahrung. Als hätte sich jemand die Mühe gemacht, das Geisterhotel, an dem sie die letzten Monate gearbeitet hatte, in der Realität nachzubauen.“
Meine Meinung
Danke an Droemer Knaur für das Rezensionsexemplar über NetGalley!
„REM“ war für mich ein echtes Blind Date, weil ich weder Annika Strauss noch Sebastian Fitzek zuvor gelesen hatte. Vielleicht war genau das der Vorteil: Ich konnte völlig unvoreingenommen in die Geschichte eintauchen. Schon das Cover hat mich sofort gepackt – dieses schwarze Auge mit der gesprungenen Linse jagt mir jedes Mal eine Gänsehaut über den Rücken, sobald ich das Buch in die Hand nehme.
Die Handlung zieht einen ohne Umwege hinein. Die Rückblende in Alysees Vergangenheit wirft sofort Fragen auf, die einen durch das ganze Buch begleiten: Was haben ihr Vater und sein Freund erforscht, und warum verfolgt Alysee diese Angst bis heute so hartnäckig? Der Schreibstil ist leicht und flüssig, und ehe ich mich versah, war ich schon tief in der Geschichte. Die Sogwirkung ist enorm – man liest weiter und weiter, weil man unbedingt wissen möchte, was hinter all dem steckt.
Die Figuren bleiben insgesamt eher oberflächlich, was mich aber nicht gestört hat. Über Alysee und Nico erfährt man am meisten, während die anderen Charaktere zwar kurzzeitig wichtig sind, aber nicht wirklich Tiefe bekommen. Alysee wirkt auf mich wie eine starke Protagonistin, die trotz ihres Kindheitstraumas versucht, ihr Leben in den Griff zu bekommen und Pläne für eine bessere Zukunft schmiedet. Nico dagegen war mir von Anfang an unsympathisch. Es wirkt, als würde er Alysees Gutmütigkeit ausnutzen, gerade weil ihre Gefühle für ihn kompliziert sind. Die Entwicklung ihrer Beziehung fand ich etwas merkwürdig und emotional eher flach – aber es ist ein Horrorbuch und keine Romanze, daher ist das wohl eher mein persönliches Empfinden.
Besonders intensiv wird die Atmosphäre, als Alysee und Nico das alte „Hotel“ betreten, das Alysee geerbt hat. Der Verfall, die düstere Stimmung – all das bildet die perfekte Kulisse für das, was noch kommt. Die Nebencharaktere Amir, Dani und Mike verfolgen ihre eigenen finsteren Pläne, was zusätzliche Spannung erzeugt. Einige Szenen haben einen deutlichen Ekelmoment, etwa Amirs Erinnerung an die Straßenkinder oder Danis traumatische Vergangenheit. Das ist nichts für schwache Nerven, aber sehr wirkungsvoll eingesetzt.
Ab etwa 80 Prozent verliert die Geschichte für mich etwas an Kraft. Der Plot Twist kam zwar überraschend, fühlte sich aber ein wenig konstruiert an und nahm der zuvor aufgebauten Spannung den Druck. Bis dahin war das Buch für mich klar auf Fünf‑Sterne‑Kurs. Trotzdem bleibt „REM“ ein starkes, atmosphärisches und sehr gut lesbares Buch mit einem offenen Ende, das Raum für eine Fortsetzung lässt – und die würde ich definitiv lesen.
Besonders hervorheben möchte ich die Illustrationen von Jörn Stollmann. Sie sind düster, atmosphärisch und unglaublich ausdrucksstark. Die Zeichnungen zwischen Kapitel 35 und 36 haben mich besonders überrascht – dunkel, detailreich und unheilvoll, als würden sie die kommende Handlung vorwegnehmen.
Fazit
Ein düsterer, flüssig erzählter Horror‑Thriller mit beeindruckenden Illustrationen und einer Handlung, die einen packt und nicht mehr loslässt. Auch wenn der späte Twist nicht ganz mithalten kann, bleibt das Buch absolut lesenswert – und ich wäre einer Fortsetzung von Alysees Geschichte definitiv nicht abgeneigt.
Würde dich ein düsterer Horror‑Thriller mit starker Atmosphäre und einem unerwarteten Wendepunkt eher neugierig machen – oder greifst du lieber zu Geschichten, die ohne große Überraschungen auskommen?
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