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Dienstag, 31. März 2026

[Gedankengänge] Wie Social Media mein Leseverhalten verändert hat – und warum ich bewusst einen anderen Weg gehe

Rückkehr zum Lesen nach zehn Jahren

Ich habe schon als Kind immer gerne und viel gelesen. Bücher waren für mich selbstverständlich, ein ruhiger Fixpunkt in meinem Alltag, und vor allem waren sie magische Welten, in die ich mich flüchten konnte, wann immer mir danach war. Dann kam eine fast zehnjährige Pause – aus persönlichen Gründen, wegen denen Lesen schlicht keine Priorität mehr hatte. In dieser Zeit habe ich nur noch Bilder- und Kinderbücher für meine eigenen Kinder gekauft und ihnen vorgelesen, aber selbst kaum noch zu einem Buch gegriffen, sobald es über reine Sachliteratur hinausging. Als ich Ende 2024/Anfang 2025 wieder damit begonnen habe, war die Welt des Lesens kaum wiederzuerkennen. Social Media war inzwischen ein fester Bestandteil des Literaturkosmos, und die Menge an Informationen hat mich zu Beginn regelrecht überrollt.


Wie sich der Lesekosmos verändert hat

Früher habe ich einfach das gelesen, was mich interessiert hat. Ich war viel in Bibliotheken, auf Bücherflohmärkten und in Buchhandlungen unterwegs und habe dort meine Entdeckungen gemacht. Lesen galt damals noch als „Streberhobby“, und man traf oft dieselben Menschen, die ebenfalls gerne stöberten. Heute bestimmen Feeds, Trends und Algorithmen, was sichtbar ist. Influencer haben das Lesen hip gemacht, was durchaus schöne Seiten hat: Jüngere Menschen greifen wieder häufiger zu Büchern, physische Ausgaben erleben ein Comeback, Klassiker wie die Brontë-Schwestern oder Reihen wie His Dark Materials tauchen wieder auf und Buchclubs entstehen, in denen gemeinsam gelesen und diskutiert wird.

Gleichzeitig hat diese Entwicklung eine Kehrseite. Der Markt wird regelrecht überschwemmt, und viele Bücher wirken wie Produkte, die vor allem optisch überzeugen sollen. Farbschnitt, aufwendige Cover, Charakterkarten – alles schön anzusehen, aber inhaltlich oft austauschbar. Als ich zurückkam, wurde ich mit Neuerscheinungen, Hypes und „Must Reads“ überschüttet. Es war nicht mehr die ruhige, persönliche Welt, die ich kannte, sondern ein durchgetakteter Strom aus Rankings, Challenges und immer gleichen Empfehlungen. Autor:innen ohne Marketingbudget verschwanden fast vollständig aus dem Sichtfeld.

Die toxische Seite von BookTok

Parallel dazu wurde mir bewusst, wie angespannt und toxisch manche Bereiche der sozialen Medien – besonders BookTok – inzwischen geworden sind. Besonders deutlich wurde das in zwei Videos, die mir in den Feed gespült wurden:
„are booktokers actually reading books anymore??“ von Book Chats with Shelley und
„BOOKTOK eskaliert 📚 WhatsApp-Mobbing, Autismus und der Lese-Wettbewerb??“ von nessadhs .

Beide Videos zeigen sehr klar, wie stark Mobbing, Konkurrenzdenken und Oberflächlichkeit die Szene prägen. Vieles davon konnte ich aus meiner eigenen TikTok‑Zeit bestätigen. Es ging oft weniger um Bücher als um Drama, gegenseitiges Abwerten und darum, wer am lautesten ist. Dass es sogar Creator:innen gibt, die sich gegenseitig melden, um den Erfolg anderer zu sabotieren, macht das Ganze noch absurder. Dazu kommen Videos, in denen offen gesagt wird, dass Bücher „zu viel Text“ hätten oder dass man ganze Passagen überspringt. Spätestens da habe ich mich gefragt, wann Lesen eigentlich zu einem Wettbewerb geworden ist und warum Quantität plötzlich wichtiger schien als Qualität.

Was mich dabei besonders irritiert: Die Freude am Lesen steht längst nicht mehr im Vordergrund. Stattdessen geht es darum, möglichst viel Content in kurze Videoschnipsel zu pressen – und dafür werden Click‑Trigger wie „Ich habe dieses Jahr schon 300 Bücher gelesen“ immer wieder ausgeschlachtet. Noch absurder wird es, wenn dieselben Creator:innen wenige Tage später plötzlich „300 Bücher unhaulen“, obwohl sie zwei Videos zuvor stolz einen gigantischen Haul mit gefühlt 500 neuen Titeln präsentiert haben. Dieses ständige Kaufen, Entsorgen, Nachkaufen wirkt wie ein Kreislauf, der nichts mehr mit echter Begeisterung für Literatur zu tun hat, sondern nur noch mit Reichweite, Geschwindigkeit und Aufmerksamkeit.

Das bedeutet nicht, dass auf BookTok alles schlecht ist. Es gibt durchaus gute Creator:innen, aber sie zu finden ist mühsam. Man muss lange mit passenden Posts interagieren, um den Algorithmus zu trainieren und irgendwann in einer Nische zu landen, die wirklich zu einem passt. Dafür ist mir meine Zeit zu schade. Ich nutze lieber andere Portale, um mich über Bücher zu informieren – ruhiger, ehrlicher und ohne diesen ständigen Druck zur Selbstdarstellung.
Trotzdem hat mich diese Logik aus Tempo, Vergleichen und ständigen Lesezahlen eine Zeit lang selbst erfasst, ganz ohne dass ich es sofort bemerkt hätte.

Der Druck, mitzuhalten

Ich habe irgendwann begonnen, mein eigenes Lesen an Zahlen zu messen, als wären sie ein sinnvoller Maßstab. Wenn andere 50, 80 oder 100 Bücher im Jahr geschafft haben, fühlte ich mich mit meinen wenigen Titeln fast schon unzulänglich. 2025 habe ich dann selbst 100 Bücher gelesen – und statt stolz zu sein, hat mich diese Zahl eher unter Druck gesetzt. Ich habe gemerkt, dass ich nicht aus Begeisterung so viel gelesen habe, sondern weil ich dachte, ich müsste mithalten. Nach zehn Jahren Pause war ich ohnehin unsicher, was ich lesen wollte, und die Masse an Neuerscheinungen hat mich eher gelähmt als inspiriert. Gerade diese Unsicherheit hat mich empfänglicher für Trends gemacht, die mir eigentlich gar nicht entsprechen.

Vorsicht bei „BookTok made me buy it“

Vielleicht kommt daher auch meine wachsende Skepsis gegenüber Büchern, die mit großen „BookTok“-Stickern beworben werden oder mit dem Satz „BookTok made me buy it“ locken. Für mich ist das inzwischen eher ein Warnsignal als ein Qualitätsmerkmal. Zu oft steckt dahinter ein kurzfristiger Hype, der wenig mit dem tatsächlichen Inhalt zu tun hat. Und zu oft werden dabei dieselben – vor allem US‑Autorinnen – in Dauerschleife beworben, während alles andere untergeht.

Zurück zu den Verlagen

Um mich aus dieser Einseitigkeit zu lösen, schaue ich wieder viel häufiger direkt auf den Verlagsseiten nach Neuerscheinungen. Ich blättere durch Vorschaukataloge und lasse mich dort inspirieren. Dabei bin ich schon über einige Bücher gestolpert, die auf Social Media nie erwähnt wurden und die ich sonst komplett verpasst hätte. Gerade in diesem Jahr habe ich viele schöne Titel entdeckt – vor allem von deutschen Autor:innen –, die in den sozialen Medien kaum sichtbar sind. Diese Bücher haben mir gezeigt, wie viel ich verpasst hätte, wenn ich mich weiterhin nur auf Algorithmen verlassen hätte.

Der bewusste Ausstieg

Irgendwann war klar, dass ich diesen Kreislauf durchbrechen muss. Ich habe TikTok deinstalliert und meinen Feed ausgemistet. Ich folge nur noch ein paar UK‑Booktubern, deren Inhalte mich wirklich interessieren, weil ich sehr gerne englische Bücher lese und dort nach Neuerscheinungen und versteckten Schätzen stöbere. Gleichzeitig habe ich gemerkt, wie viel Zeit ich mit Doomscrolling verschwendet habe – dieses endlose, gedankenlose Weiterwischen, das sich anfühlt, als würde man etwas tun, obwohl man eigentlich nur Zeit verliert. Diese Stunden stecke ich inzwischen wieder ins aktive Lesen, und allein das hat mein Verhältnis zu Büchern spürbar verändert.

Ich habe mein Jahresziel heruntergeschraubt, lese wieder in meinem Tempo und habe kein schlechtes Gewissen mehr, wenn ich zwei Wochen brauche bis ein Buch durchgelesen ist. Es fühlt sich an, als hätte ich mir das Lesen zurückgeholt.

Was bleibt, wenn die Social Media Kanäle verstummen

Ohne Social Media im Nacken ist Lesen wieder das, was es für mich immer war: ein Eintauchen in magische Welten, ein persönlicher Raum, ein eigenes Tempo, ein Hobby ohne Vergleich und ein Ort, an dem Qualität wichtiger ist als Quantität. Ich merke, wie viel entspannter ich lese, seit ich mich nicht mehr so streng an Zahlen oder Trends orientiere, und wie viel mehr Freude ich an Büchern habe, die nicht überall auftauchen, sondern einfach zu mir passen.

Mich interessiert, wie du persönlich mit diesem ständigen Strom an Empfehlungen und Trends umgehst – lässt du dich davon treiben, oder hast du deinen eigenen Weg gefunden, Bücher zu entdecken? Nutzt du überhaupt Social Media wie BookTok, BookTube oder Bookstagram?

Eingebettete YouTube‑Videos können Daten an YouTube/Google übertragen. Details dazu stehen in meiner Datenschutzerklärung.

Video‑Copyright: Book Chats with Shelley & nessadhs. Text © Das Buch‑Café / Jennifer.

13 Kommentare:

  1. Schönen guten Morgen!

    Meine Lesepause durch die Kinder ist schon wieder länger her ;) Ich hab das ganze Aufkommen der social medias sozusagen miterlebt und bin recht schnell davon abgekommen bzw. nicht aufgesprungen.

    Facebook hab ich ja schon seit meinem Blogbeginn 2013 und das war damals eine schöne Möglichkeit, gleichgesinnte zu finden, da haben viele mit dem Buchbloggen angefangen.
    Instagram folgte - aber schon da hab ich gemerkt, dass mir alles zu kurzweilig ist und keinen "Inhalt" hat bzw. das ganze Medium einfach nicht meins ist.

    Ich bleibe deshalb bei meinem Blog und suche mir Infos auf anderen Blogs. TikTok hab ich gar nicht und wenn ich "von Tik Tok empfohlen" sehe, ist das eigentlich ein rotes Tuch xD Dieses ganze Aufbauschen und auch die negative Energie die da rüberkommt ist nichts für mich.

    Das Vergleichen bzw. der Wettbewerb ist aber auch auf den Blogs zu spüren, obwohl das mittlerweile zum Glück wieder nachgelassen hat. Seit 2-3 Jahren merke ich, wie alle, die ich kenne und besuche, also dass dort Ruhe einkehrt. Natürlich gibt es bei vielen Monatsrückblicke mit Zahlen und Statistiken, aber einfach so (ich selber z. B. liebe Listen und vergleiche damit mein eigenes Leseverhalten - nicht meins mit den anderen), aber es fühlt sich nicht mehr so an, als müsste man sich gegenseitig überbieten. Das ist sehr schön und für mich richtig.
    Ich bin ja eine zeitlang auch in diese Falle getappt möglichst viel zu lesen und zu präsentieren, aber das hat sich jetzt von selbst reguliert :)

    Liebste Grüße und Frohe Ostern!
    Aleshanee

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    1. Hallo Aleshanee,

      Danke für deine Antwort! 😊
      Bücher auf Social Media wird inzwischen ja auch mit Fast Fashion verglichen, was ich etwas schade finde.

      Ich bin auch ein totaler Listenmensch, aber bei Büchern habe ich das inzwischen stark reduziert. Letztes Jahr hatte ich noch ein Book Journal und habe alles Mögliche getrackt, aber irgendwann wurde es für mich nur noch stressig. Der Tag hat ja auch nur 24 Stunden. 😂
      Dieses Jahr gehe ich das entspannter an und notiere eigentlich nur noch die Genres, die ich lese. So bekomme ich endlich einen Überblick, was mich wirklich anspricht – und kann Wunschliste und SuB etwas gezielter eingrenzen.
      Außerdem lasse ich mir gerade bewusst mehr Zeit zum Lesen und bleibe bei 1–2 Büchern pro Woche. Wenn ich mit den Rezensionen vom letzten Jahr durch bin, werde ich wohl auch nur noch ein- bis zweimal pro Woche eine neue Rezi posten.
      Ich möchte den Spaß am Bloggen behalten und mir keinen zusätzlichen Stress machen. Der Blog ist für mich inzwischen auch eine Art Ersatz für mein Book Journal, weil das Führen eines Journals mit meiner Tochter kaum möglich ist. Sie liebt es leider, Bücher und Sticker auseinanderzunehmen, und ständig aufzupassen, dass nichts zerstört wird, macht das Ganze nur anstrengend. Auf dem Blog kann ich alles festhalten, ohne dass etwas kaputtgeht.

      Ich hoffe, du hattest schöne Ostertage mit deiner Familie!

      Liebe Grüße,
      Jennifer

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    2. Ein Bücherjournal, also handschriftlich, wäre mir tatsächlich auch zu viel Arbeit und Aufwand- wahrscheinlich weil ich es auch jetzt schon seit Jahren gewohnt bin, das alles im Blog festzuhalten :)

      Viele schwärmen ja auch von den Apps wie Read o zum Beispiel oder ähnlichem, aber da müsste ich ja auch immer alles eintragen und da bin ich einfach zu faul :D

      Bei den Genres bin ich ja sehr weitläufig unterwegs. Das sehe ich immer am Jahresende im Jahresrückblick, wo ich die Genres liste bzw. wie viel ich in welchem gelesen hab.

      Die Ruhe zum Lesen ist ja eigentlich das, was es ausmacht und ich denke, das ist bei vielen etwas verloren gegangen und hat sich in die social media Präsenz verlagert. Schön dass du hier für dich einen guten Rhythmus gefunden hast der dich nicht stresst <3

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    3. Guten Morgen! Ich hab deinen Beitrag heute gerne in meiner Stöberrunde verlinkt :)

      Liebe Grüße, Aleshanee

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    4. Hallo Aleshanee,
      Ganz lieben Dank für die Verlinkung!
      Liebe Grüße,
      Jennifer

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  2. Hallo,
    also ich kann dem was du beschreibst nur zustimmen– obwohl ich das lange nur als stille Teilnehmerin sozusagen, beobachtet habe.
    Ich kenne es noch aus der Schule, dass Lesen verschrien war, meistens als langweilig.
    Ich habe, keine Ahnung wie, bisher erfolgreich geschafft mich von Facebook fernzuhalten, ohne genau benennen zu können, was mich daran stört. Kann es doch durchaus ein guter Ort sein um Gleichgesinnte Gruppen für die verschiedensten Interessen zu finden.
    Mit Büchern bin ich neu auf Insta, auf meinem Blog bzw Blogs habe ich in den über 10 Jahren immer mal wieder Bücher vorgestellt, aber nie ausschließlich Bücher behandelt, was ich neuerdings geändert habe.
    Mir ist der Überkonsum auf YouTube aufgefallen, ebenso manche toxische Bücherbubble.
    Mir tut der unaufhörliche Fluss jetzt schon nicht gut (auf Insta aber das kann ich ja selbst steuern, indem ich keinen Verlagen folge) auch wenn manchmal wirklich interessante Bücher darunter sind, mir ist das schlicht zu viel.
    Ich möchte lieber selbst etwas aufstöbern aber bin dennoch dankbar für Empfehlungen und lese auch bereits welche bzw habe sie gelesen– und ich tue ja nichts anderes, ich stelle Bücher, Serien, Kunst, das vor, was mir gefällt und hoffe, andere dafür zu begeistern.
    Aber in meinem Tempo. 300 Bücher, das ist krass, könnte ich nie.
    Und zu monieren, ein Buch hätte zuviel Text ist natürlich mehr als dumm und irgendwie auch entlarvend.
    Dann wünsche ich denen viel Spaß bei Der Name der Rose, Umberto Eco und seine endlos-Sätze:)
    Wenn Allein mit dir in der Unendlichkeit von manchen wegen des Schreibstils kritisiert wird, wundert mich eigentlich nichts mehr.
    Wenn etwas anfängt nur noch auf Krampf performativ zu sein, hat man eigentlich schon verloren.
    Wenn man Colleen Hoover als Hochkultur ansieht erscheinen andere natürlich als zu hoch oder kompliziert.
    Ich lese sie auch, wie vieles andere– zur Unterhaltung– und dahin könnten viele wieder zurückkehren.
    Lesen als schöner Zeitvertreib, als Eintauchen in andere Leben, Welten und Geschichten, ohne Erfolgsdruck, der hat da nichts verloren.
    Sich gegenseitig in einem gemeinsamen Hobby unterstützen und aufgeschlossen für andere Präferenzen sein, vielleicht findet man ja doch etwas außerhalb seiner bevorzugten Genres, das ist, wie ich das handhabe.
    Mein Bücherregal ist wegen Platzmangel klein und ich lese auch auf dem Kindle bzw im Handy oder höre Hörbucher– auch Dinge, für die du in manchen Bücherbubbles zerfetzt wirst. Nur, warum endlos Bücher kaufen, für die ich keinen Platz habe, auch die Reinlese-Funktion finde ich gut, um zu entscheiden, ob ich mir das letzten Endes kaufe oder nicht.
    Ja, das sind so spontan meine Gedanken dazu.
    Könnte ich bei längerer Überlegung noch etwas verfeinern oder ausführen, aber so spontan wärs das:)

    Liebe Grüße,
    Silver

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    1. Hallo Silver,
      Danke dir für deinen ausführlichen Kommentar. Ich kann mich auch noch gut an die Schulzeit erinnern, in der wir Lesenden von den ‚coolen‘ Mitschülern eher belächelt oder sogar gemobbt wurden. Und jetzt sieht man genau dieselben Leute darüber reden, wie ‚cool‘ Lesen plötzlich ist – das fühlt sich schon seltsam an.
      Ich selbst benutze Facebook eigentlich nur, um mich wegen der Behinderung meiner Tochter auszutauschen. Dort folge ich ein paar Menschen, die wirklich hilfreiche Beiträge zu Unterstützter Kommunikation und Metacom teilen, weil meine Tochter das im Alltag nutzt. Für solche Dinge ist Social Media für mich wertvoll.
      Aber dieser ständige Überfluss an Informationen hat mir wortwörtlich Kopfschmerzen bereitet. Irgendwann konnte mein Gehirn diesen unaufhörlichen Strom gar nicht mehr verarbeiten – und ich brauche es ja nicht nur fürs Lesen, sondern für alles andere im Alltag.
      Am Anfang war ich auch schockiert, wie viele Bücher angeblich gelesen werden. Wenn man dann aber hört, dass ganze Passagen übersprungen werden oder Hörbücher auf vierfacher Geschwindigkeit laufen, frage ich mich wirklich, wie viel davon hängen bleibt. Ich selbst kann mir schon Namen und Orte kaum merken oder was ich vor einem Monat gelesen habe.
      Deshalb habe ich meinen Blog wieder aktiviert – einfach um für mich festzuhalten, was ich lese und was mir wichtig ist. Und ganz ehrlich: Hunderte Bücher in ein Jahr zu quetschen wäre für mich völlig unrealistisch. Neben Beruf, Familie, Freunden und allem anderen bleibt da doch kaum noch Raum.
      Du hast völlig recht: Lesen sollte ein schönes Hobby sein, ein Austausch unter Gleichgesinnten, auch wenn man nicht denselben Geschmack hat – und kein Wettbewerb.
      Liebe Grüße,
      Jennifer

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    2. Hey Jennifer
      Genau für sowas ist Facebook ja gut, das meine ich, für bestimmte Interessengruppen.
      Was, in 4facher Geschwindigkeit? Ich würde durchdrehen, ehrlich, wie hält man das durch? Als würde man Schlümpfen auf Koks zuhören, wie anstrengend:)
      Schon grotesk irgendwie, was das für Formen annimmt.
      Ich habe das mit 300 Büchern mal gewagt anzuzweifeln, es wurde vehement behauptet, ein schneller Leser zu sein (was bedeuten könnte, ganze Passagen zu überspringen, Hörbücher auf 4facher Geschwindigkeit zu hören oder sich einfach die Eckpunkte und Zusammenfassungen zu ergoogeln– keine Ahnung) , vielleicht wird halt nichts anderes getan, in jeder freien Sekunde gelesen und gehört.
      Es sollte jedenfalls nicht in ein Battle ausarten, man kann auch gerne Lesen und schafft trotzdem nur zwei Bücher im Monat.
      Vielleicht ist es nur logisch, dass die höher, schneller, weiter-Mentalität auch aufs Lesen übergreift, oder der Überkonsum.
      Und auch erstaunlich, da unser Gehirn durch soziale Medien wie Insta(stories) aber vor allem TikTok-Nutzung komplett umprogrammiert wird.
      Dass da Lesen so einen Hype erfährt ist irgendwie widersprüchlich aber zu hören, das manchmal gar nicht richtig gelesen und der ganze Vorgang beschleunigt wird, passt dann doch wieder.
      Ich habe es ganze zwanzig Sekunden auf TikTok ausgehalten und beschlossen, dieser Ausgeburt der Hölle keine Beachtung zu schenken.
      Ich glaube, ich bin für diese Art der UnterhaltungReizüberflutung nicht gemacht.
      Es ist kein Wunder immer und immer neue Bücher zu 'lesen' wenn man am Tag fünfzehn kurze Videoschnipsel aufnimmt und selbst in 4facher Geschwindigkeit daherbrabbelt, der Content muss ja irgendwo her kommen.
      Na ja, ich bin da raus und dümpel mit meinem bescheidenen Blog in den Weiten des Internets dahin.

      Kenne ich auch, wie uncool man war weil man es wagte, ein Buch zu lesen und vielleicht ist die Bücherbubble in manchen Ecken so toxisch weil es eben jene Mobber sind, die das nun für sich entdeckt haben– vermutlich gar nicht wirklich weil sie einfach plötzlich gerne lesen, sondern für Content. Aber was weiß ich schon.

      Liebe Grüße und ein entspanntes Lesen,
      Silver

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  3. Hallo Jennifer,
    Wahre Worte! Ich gestehe, ich bin oft überfordert von den ganzen Social Media - oder wie das alles heißt. Und ich vesuche es, soweit es geht, zu vermeiden. Ich habe nur meinen Buchblog und (leider) auch Instagram. Aber das auch nur, weil alle meinten, als Buchblogger MUSST du nstagram haben.
    Was ich jetzt auch schade fand, gerade zur LBM sind die meisten Berichte nur über Insta gekommen und mir feheln diese auf den Buchblogs.
    Ja, die Entwicklung is für mich ein wenig nervig, aber es gehört halt in der Internetwelt dazu.
    Ob ich es nun mag oder nicht!
    Liebe Grüße
    Anja

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    1. Hallo Anja,
      danke für deinen Kommentar. Die Berichte von der LBM habe ich dieses Jahr auch ein bisschen vermisst.
      Ich glaube, am Ende muss jeder für sich selbst herausfinden, womit man gut klarkommt und was zu den eigenen Bedürfnissen passt. Und alles, was einem nicht guttut oder einfach zu viel ist, darf man getrost ausblenden und ignorieren.

      Liebe Grüße,
      Jennifer

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    2. Das stimmt, jeder für sich. Ich bin in einem Alter, wo ich nicht alles mitmachen muss :-D

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  4. Hallo Jennifer,
    du schreibst mir aus der Seele. Und ja, ich komme auch aus einer Zeit, in der es gar nicht cool war, wenn man "Lesen" als Hobby hatte. Langweilig und streberhaft ;-)
    Und ja, auf einer Seite ist es schön, wenn Bücher durch Social wieder populär werden und mehr, gerade junge Menschen, sich fürs Lesen begeistern. Aber bei vielen Beiträgen auf Instagram denke ich auch: Sind sie wirklich lesebegeistert und lieben Geschichten oder lieben sie es nur, sich mit einem hippen Thema zu profilieren? Und diese ganzen Begriffe...ich habe ewig nicht begriffen, was "Tropes" sind und wie man vor allen Dingen seine Lesegewohnheiten danach ausrichten kann. Ich sortiere nach Genres. :-)
    Und diese Einstellung und Erwartungshaltung manchmal..."Das Buch gibt es nicht mit Farbschnitt? Dann kaufe ich es nicht!"
    So ein Quatsch, wenn es im Regal steht, sieht man den Farbschnitt ja eh nicht.
    Und mal ehrlich, 300 Bücher im Monat lesen? Wer glaubt das denn? Und wozu? Doch nicht, um zu lesen und in Geschichten einzutauchen.
    Bei TikTok bin ich nicht, will ich auch nicht. Mir ist Instagram schon manchmal zu viel, zu schnelllebig und hektisch. Ich poste da ab und zu mal was, auch bei Facebook und ansonsten habe ich meinen Blog, das ist sehr viel entspannter.
    Und ich bin noch ein, zwei Bücherforen und bei Lovelybooks unterwegs, das reicht mir.
    Aber ich bin zwischen auch in einem Alter, wo ich denke: "Nö, lass mal! Ich muss nicht jedem Trend und Hype hinterher rennen.
    LG, Silke

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    1. Hallo Silke,
      Ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern, in denen meine Freundin und ich gemobbt wurden, weil wir mittags „zum Spaß“ in der Bibliothek waren. Um so etwas muss sich meine Tochter heute zum Glück keine Sorgen mehr machen – der aktuelle Buch‑Hype hat also auch seine guten Seiten.

      Im Moment habe ich nur meinen Blog, ein paar Buchcommunitys und YouTube. Wobei ich YouTube inzwischen stark reduziert habe, weil ich keine Lust mehr habe, anderen beim Bücherkaufen oder Lesen zuzuschauen … das mache ich lieber selbst.

      Und du hast recht: Man muss nicht jedem Trend hinterherrennen. Das Leben geht auch weiter, ohne überall dabei zu sein.

      Liebe Grüße,
      Jennifer

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