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Montag, 16. März 2026

Wordworld Aktion: Montagsfrage #205 - Bücher zum Weltfrauentag?


Als ich vor Kurzem im Web gestöbert und nach neuen Buch-Blogs Ausschau gehalten habe, bin ich über den Blog Wordworld von Sophia gestolpert.

Dort gibt es eine tolle Aktion, die "Montagsfrage" heißt. Die Idee hat mich sofort angesprochen, und ich habe spontan beschlossen, diese Woche mitzumachen.

Das Thema lautet: 

Bücher zum Weltfrauentag - Welche weiblichen Perspektiven, Autorinnen oder Themen haben Euch in letzter Zeit beschäftigt?


Wenn ich ehrlich bin, geht der Weltfrauentag jedes Jahr an mir vorbei. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil der Alltag so stressig ist, dass selbst wichtige Themen darin untergehen. Zwischen Arbeit, Care-Arbeit mit meiner behinderten Tochter, Terminen, Müdigkeit und all den kleinen Dingen, die jeden Tag gefüllt wirken lassen, rutscht dieser 8. März einfach durch. Und trotzdem bleibt da dieses Gefühl, dass es schade ist. Denn eigentlich müsste gerade ich diesen Tag bewusster wahrnehmen – nicht für mich allein, sondern für meine zwei Töchter. 

Vielleicht ist es genau das, was mich am meisten beschäftigt: dass Feminismus nicht nur ein politisches Konzept ist, sondern etwas, das ich ihnen vorleben muss. Nicht in großen Reden, sondern in den alltäglichen Momenten, die sie beobachten, lange bevor sie sie verstehen. Ich möchte, dass sie wissen, dass sie Entscheidungen treffen dürfen. Eigene Entscheidungen. Dass sie nicht funktionieren müssen, um zu gefallen. Dass sie nicht still sein müssen, um akzeptiert zu werden. Dass sie Grenzen setzen dürfen, ohne sich zu rechtfertigen. 

Gerade deshalb treffen mich Bücher wie „Die Wut, die bleibt“ von Mareike Fallwickl so stark. Dieser Roman zeigt, wie Frauen oft erst dann sichtbar werden, wenn sie zusammenbrechen. Wie viel Wut in ihnen steckt, weil sie jahrelang Erwartungen erfüllen, die niemand ausspricht, aber alle voraussetzen. Dieses Buch hat mich in einem Moment erwischt, in dem alles drohte, mir über den Kopf zu wachsen. Es hat mich selbst wütend gemacht, und im ersten Moment wollte ich diese Wut runterschlucken und das Buch weglegen. Aber ich habe mich gezwungen weiterzulesen – denn wenn ich ehrlich bin, hat mir dieses Buch einen Spiegel vorgehalten. Es hat mir gezeigt, dass ich Hilfe einfordern darf, ohne unverschämt oder hilflos zu wirken. Dass ich mir Auszeiten nehmen darf, ohne mich zu rechtfertigen. Und dass ich Nein sagen darf, wenn andere wieder selbstverständlich annehmen, dass ich etwas erledige, weil ich es ja „so gut kann“.

Ich möchte nicht, dass meine Töchter in einer Welt groß werden, in der sie lernen, diese Wut herunterzuschlucken. Ich möchte, dass sie verstehen, dass Wut ein Signal ist – ein Hinweis darauf, dass etwas nicht stimmt und dass sie das Recht haben, das auszusprechen. 

 Und dann gibt es Bücher wie „The Bright Years“ von Sarah Damoff,
die mich daran erinnern, wie viel Lebenszeit Frauen verlieren, weil sie sich selbst hinten anstellen. Wie viel Zeit wir damit verschwenden, es anderen recht zu machen und unsere eigenen Bedürfnisse zu begraben. Wie oft bleiben wir in toxischen Beziehungen, weil uns suggeriert wird, wir würden übertreiben oder seien zu empfindlich. Damoff schreibt darüber, wie Frauen sich ihre Jahre zurückholen können – und wie wichtig es ist, sich selbst und die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen. Genau das möchte ich meinen Töchtern mitgeben: dass sie sich selbst wichtig nehmen dürfen. Dass Selbstbestimmung kein Luxus ist, sondern ein Recht.

 

Vielleicht ist es also gar nicht schlimm, dass der Weltfrauentag an mir vorbeigeht. Vielleicht zeigt es nur, wie notwendig es ist, Feminismus nicht an einem Datum festzumachen, sondern ihn in den Alltag einzubauen. In Gespräche, in Entscheidungen, in Vorbilder. In die Art, wie ich mit mir selbst umgehe. In die Art, wie ich ihnen zeige, dass sie Raum einnehmen dürfen. Trotzdem wünsche ich mir, dass ich diesen Tag bewusster wahrnehme. Nicht, weil er allein die Welt verändert, sondern weil er mich daran erinnert, warum es wichtig ist, dranzubleiben. Für mich. Und für zwei Mädchen, die lernen sollen, dass ihr Leben ihnen gehört.

 

Danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt, meine Gedanken zu lesen. Ich freue mich, wenn ihr eure Perspektiven oder Buchtipps in den Kommentaren teilt.

 

Liebe Grüße,

Jennifer 

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