Montag, 6. Mai 2013

[Rezension] Jordi Puntì: Die irren Fahrten des Gabriel Delacruz

Gebundene Ausgabe: 608 Seiten 
Verlag: Kiepenheuer&Witsch; Auflage: 1
Erschienen: 18. April 2013
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3462045237 
ISBN-13: 978-3462045239 
Originaltitel: Maletes Perdudes
Preis [D]: EUR 19,99
Preis [A]: EUR 20,60

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Ich danke folgendem Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars:
Gabriel wird als Neugeborenes von seiner Mutter an einer Markthalle ausgesetzt. Ein Nachtwächter und ein Ehepaar, welches Fische verkauft, finden ihn und die Fischhändlerin legt das hungrige Kind an ihre Brust. Am Nabel des Säuglings klebt ein Zettel mit dem Namen 'Gabriel'. Danach bringt der Nachtwächter das Kind ins Krankenhaus und von dort aus kommt es ins Waisenhaus Casa de la Caritat.
Das Heim wird von Nonnen bewirtschaftet und so darf er seinen katholischen Namen Gabriel behalten und bekommt noch den Zusatz 'Delacruz Expòsito'.
In der Casa de la Caritat wächst er zusammen mit seinem besten Freund Serafì Bundò auf.
Mit siebzehn Jahren verlassen beide das Waisenhaus und fangen an zu arbeiten. Die Arbeitsstellen wurden von den Nonnen vermittelt und so landet Gabriel in einer Druckerei und Bundò in einem Umzugsunternehmen.
Während Bundò durch seine Arbeit in der ganzen Stadt herumkommt, sind Gabriels Tage in der Druckerei eher trist. Doch durch Bundòs Hilfe schafft er es, ebenfalls in der Spedition von Herrn Casellas unterzukommen.
Nach einiger Zeit sind sie zusammen mit ihrem Kollegen Petroli für die Umzüge ins Ausland zuständig.
In Deutschland, Frankreich, England und schließlich wieder in Spanien, lernt Gabriel im Laufe der Zeit vier verschiedene Frauen kennen und zeugt mit jeder von ihnen einen Sohn.
Die Frauen und später auch die Söhne wissen nichts voneinander, doch alle verbindet eine Gemeinsamkeit. Alle Söhne tragen den gleichen Namen in abgewandelter Form: Cristof, Christopher, Christophe und Cristòfol.
Als Gabriel plötzlich verschwindet, macht ein Polizist Cristòfol ausfindig und informiert ihn über die verlassene Wohnung seines Vaters.
Dort findet er Hinweise auf seine drei Brüder und vereint schließlich alle vier in Barcelona.
Nach und nach versuchen die Brüder nun, der Vergangenheit ihres Vaters auf die Spur zu kommen und die Geheimnisse, die ihn umgeben, zu lösen.

Jordi Puntí wurde 1967 in Manlleu, Barcelona, geboren und veröffentlichte 1998 seinen ersten Erzählband. 2007 erschien beim Verlag KiWi das Buch "Erhöhte Temperatur". Er schreibt für "El País" und übersetzt unter anderem Daniel Pennac, Amélie Nothomb und Paul Auster ins Katalanische. Puntí ist eine der interessanten Stimmen der katalanischen Literatur und erhielt für diesen Roman zahlreiche Preise. Er lebt mit seiner Frau, der Autorin Stefanie Kremser, in Barcelona.

Die ganze Handlung ist in zwei Teile gegliedert.
Im ersten Teil geht es vorrangig um die Vergangenheit Gabriels.
Cristòfol erzählt aus seiner Perspektive, wie er von dem Polizisten benachrichtigt wurde und in die Wohnung seines Vaters geht. Er durchsucht alles und durch die Dinge, die er findet, wird er neugierig.
Als alle Brüder dann versammelt sind, erzählt jeder von ihnen in einem Kapitel, wie Gabriel die jeweiligen Mütter kennenlernte und wie die verschiedenen Christofs gezeugt wurden.
Außerdem tragen sie Fotos und Unterlagen zusammen, die sie schließlich auf die Spur anderer Menschen bringen, die mit Gabriel zu tun hatten. So zum Beispiel der ehemalige Kollege Petroli oder Bundòs Freundin Carolina, mit denen sich die Brüder auch treffen, um sie zu befragen.
Nach und nach entsteht so im ersten Teil ein Bild von Gabriel und seiner Lebensgeschichte, die seine Söhne versuchen zu rekonstruieren.
Teilweise sind die Erzählungen und Ausführungen der Söhne etwas langatmig und langweilig und an einigen Stellen ist man der Versuchung nahe, das Buch einfach beiseite zu legen.
Doch dann kommen wieder spannende Stellen, an denen man gar nicht schnell genug weiterlesen kann, um mehr über Gabriels Abenteuer zu erfahren.
So endet der erste Teil des Buches in einem abenteuerlichen Moment, in dem es um Leben und Tod geht.

Im zweiten Teil kommt dann endlich wieder Cristòfol selbst zu Wort und kann die Geschichte seiner Mutter und Gabriel erzählen.
Sie spielt eine entscheidende Rolle und hat Gabriel sozusagen das Leben gerettet.
Der zweite Teil ist zwar wesentlich kürzer als der erste, übertrifft diesen aber bei weitem was die Spannung betrifft.
Wo man sich in den vorherigen Kapiteln eher quälen musste, um ein Stückchen weiterzulesen, kann man das Buch jetzt fast nicht mehr aus der Hand legen.
Plötzlich bekommt man eine unwahrscheinlich große Menge an Informationen gleichzeitig und die Handlungsstränge verbinden sich endlich, um Klarheit über alle Geheimnisse Gabriels zu schaffen.

Ich muss wirklich zugeben, dass ich noch nicht so recht weiß, welche Meinung ich mir über das Buch bilden soll.
Einerseits überzeugte mich zwar die Geschichte Gabriels, aber andererseits musste ich mich an einigen Stellen wirklich zwingen, das Buch weiterzulesen und nicht in die nächstbeste Ecke zu pfeffern.
Der Schreibstil kommt mir an einigen Stellen recht zäh vor und es gibt Stellen, die man meiner Meinung nach unnötig in die Länge gezogen hat. Bestes Beispiel dafür ist die Szene als Christof mit seiner Bauchrednerpuppe Christofinni einen Dialog führt.
Trotzdem gab es Momente, in denen auch an langweiligen Stellen mein Interesse geweckt wurde; als zum Beispiel immer wieder das Franco-Regime erwähnt wurde. Die ständige Erwähnung hat regelrecht dazu eingeladen, etwas nachzuforschen und mehr über die damaligen Umstände herauszufinden.
Am Schluss hat es der Autor dann wenigstens geschafft, alle Handlungsstränge glaubhaft und auch sinnvoll zusammenzuführen und Unklarheiten aufzulösen.
Diese Momente waren recht spannend erzählt und ich denke, ich werde dem Autor nochmal eine Chance geben, indem ich eines seiner anderen Werke lese und mir dann ein endgültiges Urteil über ihn und seinen Schreibstil erlaube.

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