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Dienstag, 18. August 2026

[Rezension] Freya Jüptner: Treibgut

Buchcover

Autorin: Freya Jüptner

Seiten: 468 Seiten

Format: Ebook

Verlag: kontrabande Verlag

Erscheinungsdatum: 16.07.2026

ISBN: 978-3-911831-80-2

Sprache: Deutsch

Genre: Ostsee-Krimi / Maritimer Roman / Gesellschaftskritisches Drama

Bewertung: ⭐⭐⭐⭐☆

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Bildquelle / Cover: Goodreads / © kontrabande Verlag / © Coverdesign: kontrabande Verlag, Köln
Klappentext: © Freya Jüptner / kontrabande Verlag



Rezensionsexemplar
Dieses Buch wurde mir als digitales Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt. Die Bereitstellung des Exemplars hat keinen Einfluss auf meine Bewertung oder meine persönliche Meinung zum Buch.

Worum geht's?

Zwei Frauen, zwei Leben, eine Entscheidung

Seit dem Schlaganfall ihres Vaters führt Femke das Fischereiunternehmen der Familie allein. Doch die Quoten sinken, die Kosten steigen, und der alte Kutter Louise sowie die Pflege ihres Vaters zehren an ihren letzten Reserven. Femke steht vor dem Ruin – bis ein zwielichtiger Geschäftsmann ihr ein Angebot macht, das ihre moralischen Grundsätze ins Wanken bringt.

Als plötzlich Sonja, ihre Jugendfreundin und einst engste Vertraute, nach Jahren wieder in Freest auftaucht, bricht die Vergangenheit mit aller Wucht über Femke herein. Sonja – mittlerweile Kapitänin auf großen Yachten und mit einer eigenen Agenda – ist der einzige Mensch, der Femke in dieser ausweglosen Lage wirklich helfen könnte.

Zwischen illegalen Touren auf der Ostsee, einer verzweifelten Suche nach einer Lösung für den pflegebedürftigen Vater und einer zerbrechenden Freundschaft muss Femke sich entscheiden, was ihr wichtiger ist.

Eine packende Geschichte über Pflicht, Schuld und die raue See vor Rügen.

„"Wahnsinn", murmelt sie und streicht sich eine Haarsträhne aus der Stirn. Es war das erste Mal seit Egons Schlaganfall, dass sie nicht mehr das Gefühl hatte, am Rand eines Abgrunds zu balancieren.“

Meine Meinung

Das Buch „Treibgut“ von Freya Jüptner hat mich sofort durch sein besonderes Thema überzeugt. Man liest nicht jeden Tag über Frauen in männerdominierten Berufen, und diese Ausgangssituation hat mich gereizt. Die Kapitel wechseln zwischen Femkes und Sonjas Sicht, was einen klaren und nahen Einblick in die Leben der beiden Frauen ermöglicht. Sie könnten unterschiedlicher kaum sein, doch jede kämpft mit eigenen Herausforderungen, die realistisch und emotional nachvollziehbar sind.

Besonders berührt hat mich Femke. Ich bin zwar keine Fischerin, aber die Belastung pflegender Angehöriger kenne ich gut. Dieser Druck, der sich nicht abstellen lässt, die ständige Sorge, ob man alles schafft und niemand zu kurz kommt, ist in Femkes Perspektive so eindringlich beschrieben, dass ich mehrfach schlucken musste. Einige Kapitel haben mir sogar Tränen in die Augen getrieben.

Sonja hat mir ebenfalls gut gefallen. Obwohl sie Femke viele Jahre nicht gesehen hat, steht sie ihr sofort wieder zur Seite. Sie hilft ihr beim Fischen und unterstützt sie bei der Suche nach einem Pflegeheim für ihren Vater. Gleichzeitig stemmt sie ihr eigenes Leben als Segellehrerin, Anästhesistin und frischverheiratete Frau. Die Freundschaft der beiden Frauen mit ihren Erinnerungen, Erwartungen und Spannungen wirkt sehr realistisch, und die Dynamik zwischen den beiden hat mich immer wieder mitgerissen.

Auch die Nebenfiguren sind stark gezeichnet. Die Zwillinge Bjarne und Anton zeigen sehr deutlich, wie unterschiedlich Geschwister sein können. Ihr Zwiespalt zwischen jugendlicher Unbeschwertheit und familiärer Verantwortung wirkt authentisch und nachvollziehbar. Man spürt, wie sehr sie Femke unterstützen wollen und gleichzeitig selbst noch mitten im Erwachsenwerden stecken. Auch Figuren wie Knuth, die Pflegerinnen von Egon und der Bankberater geben dem Buch eine persönliche Note und zeigen, wie es in einem kleinen Ort zugehen kann, wo jeder jeden kennt. Ich habe mir einige Bilder und Infos zu Freest angesehen und muss sagen, dass ich es mir beim Lesen genau so vorgestellt habe. Freya Jüptner hat die Gegebenheiten sehr treffend beschrieben.

Was mich überrascht hat, ist die Entwicklung der Handlung. Anfangs wirkt „Treibgut“ wie ein Gesellschaftsroman über zwei Frauen in männerdominierten Berufen, über Ungerechtigkeiten, Alltagskämpfe und die Härte des maritimen Lebens. Nach und nach entsteht jedoch eine Krimispannung, die immer dichter wird. Ich habe sogar in Lesepausen oft darüber nachgedacht, welche Entscheidungen Femke und Sonja noch treffen müssen und wohin das alles führen könnte.

Besonders eindrucksvoll fand ich die Darstellung der Schmuggler. Es wird sehr klar beschrieben, wie sie ihre Opfer auswählen, wie sie Vertrauen aufbauen und wie man langsam in einen Kreislauf gerät, aus dem man kaum wieder herauskommt. Das wirkt beklemmend und ist gleichzeitig hervorragend erzählt.

Im Buch kommen viele Begriffe rund um Schiffe, Motoren und Segeln vor, was bei diesem Thema naheliegt. Trotzdem hatte ich persönlich immer wieder Momente, in denen ich etwas nachschlagen musste, um bestimmte Situationen besser zu verstehen. Das berühmte Kartoffel-Kartoffel-Geräusch habe ich erst nach einer kleinen Google-Recherche verstanden, weil ich mit Motoren nichts zu tun habe. Für mich war das manchmal ein kleiner Stolperstein, auch wenn die Recherche am Ende sogar Spaß gemacht hat. Andere Leser:innen haben damit vermutlich weniger Schwierigkeiten, aber für mich war es ein Grund für vier Sterne. Vielleicht wäre es in zukünftigen Büchern sinnvoll, für Landeier wie mich ein kleines Glossar mit den wichtigsten Begriffen hinten anzuhängen, damit man nicht ständig im Intenet nachschauen muss. Trotz dieser Hürde hat mir „Treibgut“ sehr gut gefallen, weil die Geschichte fesselnd, emotional und atmosphärisch erzählt ist. Den historischen Überblick am Ende des Buches fand ich ganz interessant, weil man noch etwas über die Gegebenheiten und die Geschichte der Gegend lernen konnte.

Fazit

„Treibgut“ ist ein eindringlicher Roman über zwei starke Frauen, ihre Freundschaft, ihre Kämpfe und die Schattenseiten des maritimen Alltags. Die Mischung aus authentischer Arbeitswelt, emotionaler Tiefe und langsam wachsender Spannung funktioniert sehr gut. Für mich sind es vier Sterne, weil mich das Buch berührt und überrascht hat, auch wenn ich bei einigen Begriffen öfter nachschlagen musste.

Würde euch eine Geschichte über zwei Frauen in einem rauen Arbeitsumfeld neugierig machen?

Mein Rating: ⭐⭐⭐⭐☆ (4/5)

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