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Sonntag, 28. Juni 2026

[Rezension] Christoph Koca: 30x Salzburg zum Staunen

Buchcover

Autorin: Christoph Koca

Seiten: 144 Seiten

Format: Taschenbuch

Verlag: Anton Pustet

Erscheinungsdatum: 18.08.2025

ISBN: 978-3702511760

Sprache: Deutsch

Genre: Reise / Reiseführer / Regionale Sachliteratur Salzburg / Architektur

Bewertung: ⭐⭐⭐⭐⭐

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Bildquelle / Cover: Amazon / © Verlag Anton Pustet Salzburg
Klappentext: © Christoph Koca / Verlag Anton Pustet Salzburg



Worum geht's?

Das kleinste Gebäude Salzburgs am Alten Markt ist das Resultat einer hoffnungslosen Liebe. Einst sorgte das Hotel Europa ob seiner Höhe, die fast an die des Mönchsbergs heranreicht, für Kontroversen. In der Elisabeth-Vorstadt finden wir einen der letzten Hinweise auf einen Luftschutzkeller aus der Zeit des Krieges. Und in der Bucklreuthstraße inspirierte Michelangelo einen Baumeister zum „Haus eines Bärtigen“.

Die Mozartstadt ist mehr als Festung, Dom und Schloss Mirabell – das zeigt Salzburg-Insider und Stadtführer Christoph Koca eindrucksvoll in seinem vorliegenden Buch. Dabei haben die vorgestellten Bauwerke und Schauplätze eines gemeinsam: Sie sind einzigartig, mitunter skurril und mit Superlativen wird nicht gespart.

Zahlreiche historische Anekdoten, architektonische Kuriositäten und bislang unveröffentlichtes Bildmaterial eröffnen faszinierende Einblicke. Und der beigefügte Stadtplan lädt dazu ein, sich gleich selbst auf die Spuren dieser „Salzburger Originale“ zu begeben!

Aus der Einleitung: „Was bringt uns heute in Salzburg noch zum Staunen? In einer Stadt, die wir zu kennen glauben, in der es scheinbar keine Geheimnisse mehr gibt?“

Meine Meinung

Als ich 2012 von Deutschland nach Salzburg gezogen bin, habe ich die Stadt mit staunenden Augen erlebt. Alles wirkte wie ein lebendiges Postkartenmotiv: die Pferdekutschen in der Altstadt, die Festung, Schloss Mirabell und all die Orte, die man als Neuankömmling unbedingt sehen möchte. Doch dieser erste Zauber verfliegt schnell, wenn der Alltag einzieht. Die Wohnungspreise steigen ins Absurde, man ist schon froh über ein „Kochklo“ zu einem halbwegs erträglichen Preis. Die Stadt ist überfüllt, die Preise in den Läden jenseits von gut und böse, und sobald man mit einem behinderten Kind zum Sozialministerium oder ins Krankenhaus muss, wird der Verkehr zur Geduldsprobe. Wenn man länger als zwei Stunden braucht, zahlt man auch mal 10 € fürs Parken, weil der einzige Behindertenparkplatz gerade zur Baustelle gehört.

Mit der Zeit stumpft man ab. Man läuft an Gebäuden vorbei, ohne sie wahrzunehmen, und möchte einfach nur schnell wieder raus aus der Stadt. Vieles blendet man aus, manches kommentiert man nur noch mit einem genervten „Schiach!“. Genau in dieser Stimmung fiel mir "30x Salzburg zum Staunen" in die Hände – und hat mich völlig überrascht.

Ich wollte eigentlich nur kurz durchblättern, blieb dann aber an einem Gebäude nach dem anderen hängen. Das Buch zeigt Orte, die ich seit Jahren kenne, aber nie wirklich beachtet habe. Das Lichthaus zum Beispiel war für mich immer nur ein grauer Betonklotz mit Lampengeschäft. Dass sich dahinter ein spannendes Innenleben und eine Geschichte verbergen, hätte ich nie erwartet. Und so ging es mir mit fast jedem Beitrag: Gebäude, die ich längst abgeschrieben hatte, bekamen plötzlich Tiefe und Bedeutung.

Abends saß ich noch stundenlang am Laptop und habe weiter recherchiert. Ich habe viel über Salzburg gelernt – über seine Architektur, seine Geschichte und darüber, wie viel man übersieht, wenn man die Stadt nur noch als anstrengenden Alltagsschauplatz wahrnimmt. Der beiliegende Faltplan mit Architektur-Spaziergängen ist ein wunderbares Extra und macht Lust, Salzburg wieder bewusster zu erleben.

Durch das Buch bin ich außerdem auf den Salzburger Verlag Anton Pustet aufmerksam geworden, der eine ganze Reihe spannender Salzburg-Titel im Programm hat. Einige davon stehen inzwischen auf meiner Wunschliste und sorgen dafür, dass ich mich langsam wieder ein Stück weit in diese Stadt verliebe.

Fazit

30x Salzburg zum Staunen ist ein inspirierendes, kluges Buch, das den Blick für das Unsichtbare im Alltag schärft. Es hat mir gezeigt, wie viel Schönheit und Geschichte ich über die Jahre ausgeblendet habe. Für mich ein klares 5‑Sterne‑Highlight, das Salzburg wieder ein wenig magischer macht.

Welche Orte in eurer eigenen Stadt habt ihr zuletzt neu entdeckt, obwohl ihr täglich daran vorbeigeht?

Mein Rating: ⭐⭐⭐⭐⭐ (5/5)

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