Autorin: Anne-Marie Varga
Übersetzung: Antonia Zauner
Seiten: 432 Seiten
Format: Paperback
Verlag: Bastei Lübbe
Erscheinungsdatum: 31.10.2025
ISBN: 978-3757701314
Sprache: Deutsch
Genre: Contemporary Romance / Romance / New Adult
Bewertung:
Bildquelle / Cover:
Goodreads / © Bastei Lübbe
/ © Coverdesign: © SO YEAH DESIGN, Gabi Braun, Coverbild: © Lilanakani - shutterstock.com / Anton Yulikov - shutterstock.com / © Sybille Sterk - Arcangel Images
Klappentext: © Anne-Marie Varga / Bastei Lübbe
Worum geht's?
Nach einer schmerzhaften Trennung lässt die 26-jährige Bestsellerautorin Rosie Watkins ihr Leben in New York hinter sich und flüchtet nach London. Dort findet sie schnell Anschluss: Tara, Saoirse und Deepti nehmen Rosie mit offenen Armen in ihren Kreis auf. Nur Taras Zwillingsbruder Gamble - groß, tätowiert, superheiß und definitiv tabu - hält Rosie für eine »eingebildete und überdrehte Amerikanerin«. Trotzdem fühlt sich Rosie mit jedem Tag mehr in London zu Hause. Doch auch hier kann sie ihrer Vergangenheit nicht entfliehen. Was genau ist in New York passiert? Und kann ausgerechnet der verschlossene Gamble derjenige sein, der ihr hilft, zurück ins Leben zu finden?
„NEIN! Nein, nein, nein. Darüber reden wir jetzt ganz bestimmt nicht. Ich muss dieses Thema fürs Erste abwürgen. Und bestenfalls für den Rest meines Lebens.“
Meine Meinung
Ich hätte "Happy Ending" von Anne‑Marie Varga wirklich gern mehr gemocht. Das Buch stand schon eine ganze Weile bei mir im Regal, und ich war richtig froh, als ich endlich dazu kam, es zu lesen. Der Klappentext klang vielversprechend, und ich bin mit einigen Erwartungen gestartet, die das Buch am Ende leider nicht erfüllen konnte.
Rosie fand ich zu Beginn noch richtig spannend: laut, schlagfertig, ein bisschen chaotisch – eine Amerikanerin, die in London sofort auffällt und mit ihrer überdrehten Art den Raum einnimmt. Gleichzeitig merkt man schnell, dass das alles nur Fassade ist. Hinter ihr steckt eine verletzte, traumatisierte Frau voller Selbstzweifel, Ängste und einer lähmenden Schreibblockade, die aus einer schmerzhaften Trennung entstanden ist. Um diese Trennung wird allerdings über 265 Seiten ein riesiges Geheimnis gemacht, als wäre sie der große Spannungstreiber. Anfangs funktioniert das sogar, weil man unbedingt wissen will, was passiert ist. Doch als die Auflösung endlich kommt, wirkt sie überraschend blass und deutlich weniger wuchtig, als die lange Vorbereitung vermuten lässt. Gut fand ich allerdings, dass es keine herkömmliche Trennung war, wie man zunächst annimmt – das hat zumindest für einen kleinen Überraschungsmoment gesorgt.
Was mich aber wirklich gestört hat, war die Darstellung von Rosies Depression. Am Anfang wird stark betont, wie sehr sie auf Therapie, Medikamente und feste Routinen angewiesen ist, wie tief sie in der Depression steckt und wie sehr diese Trennung ihr Leben bestimmt. Doch sobald Gamble auftaucht, reichen ein paar Gespräche und ein paar kluge Sätze, und plötzlich geht es ihr deutlich besser. Das wirkte auf mich zu glatt und zu einfach, vor allem wenn man bedenkt, wie schwer Depressionen eigentlich sind. Auch die Therapie, die in New York angeblich so wichtig für sie ist, spielt in London plötzlich gar keine Rolle mehr, während sie gleichzeitig neue Freunde findet, Jobs sucht und ihr Leben erstaunlich mühelos neu sortiert. Gerade weil die Autorin selbst Depressionen hat, hätte ich mir hier mehr Tiefe gewünscht. Auf der Seite Bezzy schreibt sie offen über ihre eigenen Erfahrungen mit Depressionen, zum Beispiel im Artikel My Experience Being in a New Country with Depression. Es gibt durchaus kleine Parallelen zu ihrem Buch, aber genau deshalb frage ich mich, warum sie in der Geschichte nicht ähnlich ehrlich und tief gegangen ist wie in ihren Texten. Das Buch hätte so viel emotionaler und eindringlicher sein können. Es kommt mir fast so vor, als hätte die Autorin versucht, ihre eigene Geschichte im Buch zu verarbeiten, aber irgendwo beschlossen, eine unsichtbare Linie zu ziehen, um nicht in die Tiefe gehen zu müssen.
Rosies neuer Freundeskreis hätte so viel Potenzial gehabt. Die Gruppe wirkt sympathisch und bunt, aber die Figuren bleiben leider sehr oberflächlich. Pat bleibt ein komplettes Rätsel, Deepti und Saoirse bekommen zwar Probleme zugeschrieben, aber nichts davon wird wirklich vertieft. Vieles wird angerissen, wenig wird ausgearbeitet. Ich hätte mir wirklich mehr Einblick in das Leben der Freunde gewünscht. Was ist bei Saoirses Trennung passiert? Warum stürzt sie sich so ins Datingleben, obwohl es ihr offensichtlich nicht guttut? Warum bleibt Deepti in einem Beruf, der sie ausbrennt? Warum setzt sie sich nicht mit ihrer Familie auseinander und riskiert lieber ihre Gesundheit? Von Pat erfährt man eigentlich nur seinen Beruf und dass er auf Tara steht, ihm aber die blöde Regel im Weg steht. Tara ist neben Gamble die einzige, die etwas ausführlicher dargestellt wird. Sie hat ihre beste Freundin verloren, weil diese innerhalb der Gruppe gedatet hat und es böse geendet ist. Deshalb zwingt sie allen die Regel auf, dass innerhalb der Gruppe nicht gedatet werden darf. Einerseits kann man verstehen, dass sie nicht möchte, dass sich das wiederholt, andererseits wirkt es ziemlich kindisch, ihre eigenen Probleme der ganzen Gruppe aufzubürden und Menschen Mitte zwanzig zu so einer dämlichen Regel zu verpflichten.
Die Beziehung zwischen Rosie und Gamble fand ich dagegen wirklich erfrischend. Sie starten holprig, haben einige schlagfertige Wortgefechte und hacken ordentlich aufeinander herum. Gleichzeitig nähern sie sich langsam an und lernen sich erst nach und nach kennen. Die Entwicklung wirkt glaubwürdig, und erst mit der Zeit schaffen sie es, offen miteinander umzugehen und sich wirklich aufeinander einzulassen. Leider wird dieses natürliche Wachstum durch das künstliche Drama um die „Nicht‑die‑Freunde‑daten“-Regel ausgebremst. Ohne dieses unnötige Hindernis hätte die Autorin vielleicht ein runderes, ausführlicheres Ende für Rosie und Gamble schreiben können. So wirkte das Finale – inklusive Epilog – sehr rasant, glatt und ohne Überraschungen. Das heißt aber nicht, dass ich fast alles doof fand am Buch und nur unzufrieden war. Ich habe es innerhalb von zwei Tagen durchgelesen, weil das Buch wirklich zugänglich und flüssig geschrieben war. Es gab durchaus spannende Momente und schöne Szenen, aber insgesamt hat es eben nur für drei Sterne von mir gereicht – ein gut lesbares Buch, das sich aber nicht von der Masse abhebt und deutliche Schwächen hat.
Fazit
Ein Roman mit einer starken Grundidee und einer vielschichtigen Protagonistin, der aber an künstlichem Drama, oberflächlichen Nebenfiguren und einer zu glatten Auflösung scheitert. Schade, denn das Potenzial war definitiv da. Wer möchte, kann hier alle Artikel der Autorin lesen, unter anderem über Depressionen und Morbus Crohn.
Wie wichtig ist euch eine realistische Darstellung psychischer Gesundheit in Romanen — beeinflusst das eure Leseentscheidung?
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